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Kreativität als Schlüsselkompetenz - Kreativitätsförderung in unserer Zeit

» "Die Seele kommt zu kurz" - Bietigheimer Zeitung vom 28.05.2009
Vor zehn Jahren hat Gerda Gabriel ihre Galerie und Kunstwerkstatt im Pleidelsheimer Industriegebiet eröffnet. Neben Ausstellungen und Workshops für Erwachsene bietet sie auch Kunstkurse für Kinder an.
» Kreativität - eine Schlüsselkompetenz für Gegenwart und Zukunft
Prof. Dr. Waltraud Rusch, Pädagogische Hochschule Karlsruhe
» Kreativitätsförderung - eine Forderung unserer Zeit
Prof. Dr. Anne-Marie Grundmeier, Pädagogische Hochschule Freiburg / Institut für Technik, Haushalt und Textil

 

Bilder vom Tag der offenen Tür der Bundesregierung 2008Bilder vom Tag der offenen Tür der Bundesregierung 2008
Bilder vom Tag der offenen Tür der Bundesregierung 2008 - die INITIATIVE hobbyKREATIV gestaltet mit

 

Kreativität - eine Schlüsselkompetenz für Gegenwart und Zukunft
Prof. Dr. Waltraud Rusch, Pädagogische Hochschule Karlsruhe

"Ich glaube nicht, dass Kreativität die Gabe einer guten Fee ist.
Ich glaube, sie ist eine Fertigkeit, die wie Autofahren geübt und gelernt werden kann.
Wir halten Kreativität für eine Gabe, weil wir uns nie bemüht haben, sie als Fertigkeit zu üben."

Edward de Bono (*1933, führender Lehrer für kreatives Denken)

Der Begriff Kreativität wird häufig benutzt, jedoch eine endgültige Klärung darüber, was Kreativität ist, wo sie sitzt und wie sie gefördert werden kann, bleibt noch zu leisten.

In dem Wort Kreativität steckt das lateinische creare (erschaffen, hervorbringen). Im Brockhaus von 2006 finden wir: "Kreativität, schöpferisches Vermögen, das sich im menschlichen Handeln oder Denken realisiert und einerseits durch Neuartigkeit oder Originalität gekennzeichnet ist, andererseits aber auch einen sinnvollen und erkennbaren Bezug zur Lösung technischer, menschlicher oder sozialpolitischer Probleme aufweist. Der Begriff Kreativität wird angewendet auf wissenschaftliche Entdeckungen, technische Erfindungen, künstlerische Produktionen, unter der Bezeichnung "soziale Kreativität" auch auf Problemlösungsansätze im zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Bereich. ..."

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Weltkindertag am 20. September 2008

Die Kreativitätsforschung hat den Mythos widerlegt, dass nur einigen Genies Kreativität angeboren sei. Jedem Mensch wohnt ein kreatives Potenzial inne, das gefördert werden kann. Bei der Förderung ist eine Auseinandersetzung mit den Faktoren erforderlich, die der Entfaltung von kreativen Potenzialen dienlich sind. Bereits 1978 lieferte Frederic Vester (Denken, Lernen, Vergessen) wichtige Kenntnisse über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns bei. Das menschliche Gehirn besteht aus zwei Hälften (der rechten und linken Hirnhemisphäre), auf denen unterschiedliche Funktionszentren und Assoziationsfelder verortet sind. Die Hemisphären sind durch einen Balken verbunden. Vereinfacht lässt sich feststellen, dass Kreativität vor allem in unserer rechten Gehirnhälfte entsteht. Diese ist für Formen, Figuren und Emotionen zuständig. In unserer Gesellschaft wird aber vor allem die linke Gehirnhälfte gefördert. Hier ist das Zentrum für logisches Denken, Zahlen und verbale Sprache.

Als Kinder waren wir alle kreativer als heute. Wir haben phantastische Spiele erdacht, eifrig gemalt, mit einfachen Dingen und Materialien gebastelt, konstruiert und gestaltet. Das Gehirn von Neugeborenen ist - neuronal gesehen - offen für alles, die Vernetzungen bilden sich erst im Laufe der Jahre. Dieses frühkindliche Stadium birgt ein immenses Kreativitätspotential. Bis zur Pubertät werden die vielen synaptischen Verbindungen von Nervenzellen festgelegt, indem sie durch Informationsverarbeitung bestätigt werden - beim Sehen, bei den Gefühlen, bei Erinnerungsprozessen. In dieser Zeit wird die Grundlage der Persönlichkeit und Individualität im Wesentlichen festgelegt. Für die Kreativität bedeutet das, wem eine breitere Plattform von geprägten Ereignissen, Erinnerungen, Emotionen, Absichten, Wahrnehmungen zur Verfügung steht, hat ein ganz wesentlich größeres Potential für Kreativität, zur Konstruktion von Neuem, zur Gestaltung von Kultur zur Verfügung.

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Weltkindertag am 20. September 2008

In der Schule wird Wert darauf gelegt, dass wir gestellte Aufgaben korrekt lösen. So wird unsere Kreativität nicht geübt und ausprobiert. Die meisten Menschen verbinden Kreativität mit den Künsten. Kreativität wird aber überall gebraucht, wo neue Wege, Lösungen und neue Ideen gefunden werden müssen - und das ist in allen Bereichen des menschlichen Lebens notwendig.

Beim kreativen Arbeiten ist immer eine gute Vorbereitung notwendig, u. a. sich Fertigkeiten aneignen, fehlende Informationen einholen, kulturelle Bildung erwerben, den Mut zum Anderssein haben, ...

Die Aufgabe von Eltern, Erziehern und Lehrern ist es, die breite Plattform kreativer Möglichkeiten durch spielerischen Umgang mit vielfältigem Material und unterschiedlichsten Techniken in einem adäquaten zeitlichen, ästhetischen und emotionalen offenen Raum zu gestatten und damit einen wesentlichen Beitrag zur Förderung von Kreativität zu leisten, denn je mehr Bausteine zur Nutzung vorhanden sind, desto mehr Spielvarianten können ausprobiert werden.

Laut Beschluss der der Europäischen Kommission sollen Kreativität und Innovationsfähigkeit Schlüsselkompetenzen für alle Bürger Europas werden. Im "Europäischen Jahr der Kreativität und Innovation" 2009 sollten wir uns besonders um die Förderung von Kreativität in allen Altersstufen einsetzen.

 

 

Bilder vom Tag der offenen Tür der Bundesregierung 2008Bilder vom Tag der offenen Tür der Bundesregierung 2008
Bilder vom Tag der offenen Tür der Bundesregierung 2008 - die INITIATIVE hobbyKREATIV gestaltet mit

 

 

Kreativitätsförderung - eine Forderung unserer Zeit
Prof. Dr. Anne-Marie Grundmeier, Pädagogische Hochschule Freiburg / Institut für Technik, Haushalt und Textil

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Weltkindertag am 20. September 2008

Der Ruf nach kreativen Lösungen ist heute angesichts großer gesellschaftlicher und ökonomischer Probleme lauter denn je. Die Kreativitätsforschung beschäftigt sich mit der Untersuchung kreativer Persönlichkeitsmerkmale, Prozesse und Produkte und mit den (institutionellen) Rahmenbedingungen. Ihren etymologischen Ursprung hat die Kreativität in den lateinischen Wörtern "creare", gleichbedeutend mit "schöpfen", "erfinden", "erzeugen", und "crescere" (lat. "wachsen"). Es stellt sich die Frage, ob Kreativität angeboren ist und ob sie entwickelt und gefördert werden kann. In der Forschung ist Kreativität als eine allgemeine menschliche Befähigung anerkannt, die zu ihrer Ausprägung Kenntnisse, Erfahrungen, Fertigkeiten und die Wechselbeziehung zur Umwelt benötigt. Wir finden kreatives Potenzial in jedem von uns, in allen Altersstufen und Kulturen. Kreativität wird in sehr vielen Bereichen menschlicher Aktivität, sowohl in persönlicher wie auch in sozialer und fachlicher Hinsicht gefordert. Kreative Eigenschaften bilden die Voraussetzungen, um gesellschaftliche Realität zu bewältigen. Kreativität ist ein wichtiges Element für Autonomie und Selbststeuerung und fördert den Aufbau eines positiven Selbstbildes.

Für Schulen bedeutet dies, dass in allen Fächern die Kreativität der Schüler gefördert werden sollte. Die Intention sollte dabei die allseitige Entfaltung einer Persönlichkeit sein, die in sich zufrieden ist, flexibel, kritisch und selbstbewusst auf den Wandel in unserer Gesellschaft reagiert und möglichst auch den Willen zu deren Verbesserung entwickelt. Ein kreativitätsfördernder Unterricht beachtet die Verlaufsstruktur kreativer Denkprozesse und gibt über Fachgrenzen, -methoden und -strukturen hinweg Raum, neue Ideen zu entwickeln.

Als Entstehungszentrum jeder Kreativität gilt das Gehirn, dessen Großhirn aus zwei weitgehend unabhängigen Gehirnhälften besteht, die über einen dicken Nervenstrang (Corpus Callosum) verbunden sind. Beide Gehirnhälften arbeiten unterschiedlich: Der linken Hemisphäre schreibt man logisches, sprachlich-analytisches Denken, der rechten Kreativität, Musikalität und räumliches Vorstellungsvermögen zu. Für ein integrierendes Denken sind der Informationsaustausch zwischen den beiden Hemisphären und damit die Entwicklung des Nervenstrangs erforderlich. Gerade durch den Einsatz der Hände - vor allem auch durch Simultantätigkeiten - werden beide Gehirnhälften stimuliert. Die schulischen Bildungsbereiche Kunst und Textil nehmen daher bezüglich der Kreativitätsförderung einen wichtigen Platz ein, da sie das kreative, ganzheitliche Denken und durch handwerklichkünstlerische händische Tätigkeiten eine Verlinkung bzw. Vernetzung unserer beiden Gehirnhälften fördern. Mit didaktisch sinnvoll eingesetztem Gestaltungsmaterial können gestalterisch-künstlerische Prozesse und kreatives Denken optimal initiiert, begleitet und gefördert werden.

 

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